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Stellaris – Der Weltraum, unendliche… Review

Mit Stellaris betritt Paradox zum ersten mal die Bühne der 4x Globalstrategiespiele im Weltraumsetting und liefert uns ein Erlebnis, welches Stunden fesseln kann und die Top-Spiele dieses Genres wohl um ein weiteres bereichert wurden.

ACHTUNG: Das hier geschriebene bezieht sich auf die Version nach dem Release. Seither sind einige Patches und DLC erschienen die hier beschriebene Bereiche grundlegend verändert haben. Ich bitte dies beim lesen zu beachten.

 

Eigentlich ist man von Spielen aus dem Hause Paradox gewöhnt, sich erst einige Zeit mit dem Interface, der Spielemechanik und dem oft immensen Detailreichtum auseinander setzen zu müssen ehe man richtig los legen kann. Daher war ich positiv überrascht wie einfach dem Spieler das Einsteigen in Stellaris dann doch gemacht wird. Nach klicken auf Neues Spiel im Hauptmenu hat man die Möglichkeit aus einer Reihe von bereits erstellten Spezies auszuwählen, sich mit dem umfangreichen Speziesbaukasten zu beschäftigen oder den Zufall entscheiden zu lassen. Hat man seine Wahl getroffen, folgen einige Einstellungen zum Universum, wie Galaxiegröße oder Galaxietyp, danach geht es aber auch schon los.

Man startet in einer noch vollkommen unbekannten Galaxie, hat nicht viel mehr als seinen Heimatplaneten, eine kleine Raumstation im Orbit, ein paar winzige Schiffchen – ein Forschungsschiff und ein Konstruktionsschiff… ja und man wird begrüßt von einem Textfenster!

Wie aus anderen Paradoxtiteln bereits bekannt, werden wir diese Textfenster noch öffter sehen. Mit ihnen bringt Paradox eine Rollenspielatmosphäre ins Spiel und schafft uns damit eine Geschichte rund um das eigene Reich und dessen Aufstieg. Im eben aufgeploppten Textfenster spricht uns ein Roboter an, der uns auch gleich darüber aufklärt, er sei in dieser Galaxie sowieso der einzige der es wirklich gut mit uns meint und wir sollten auf ihn hören.

Tut man das und klickt Ihn nicht einfach weg, werden einem die Grundlagen der wichtigsten Spielmechaniken beigebracht, wärend man direkt im ersten Spiel seine ersten Schritte geht. Dadruch fühlt man sich weniger erschlagen und wird irgendwie subtil an die Hand genommen, hat was und ich war fast traurig als der Tutorialbot sein letztes Wort sprach.

Da steht man nun, immernoch am Anfang seines hoffentlich irgendwann diese Galaxie umspannenden Reichs, freut sich über die erste neue Kolonie, die ersten Korvetten die man aus seinem Raumhafen gepresst hat, das nun aufkommende Gefühl von „jawohl, es läuft gut“ und dann… der erste Kontakt zu einer intelligenten selbst raumfahrenden Spezies! Es werden noch viele weitere folgen soviel steht fest. Sowohl Kontakte zu anderen Reichen als auch Kolonien, die Schiffe werden größer werden, technologische Fortschritte werden gemacht, das Reich wird wachsen und schon findet man sich im Sog von Stellaris wieder, den dieses Spiel erzeugen kann. Denn, man will immer weiter und mehr, noch hier das eben, noch jenes machen, hier noch eine Kolonie da noch einen Außenposten hinstellen… so baut man Stück für Stück tatsächlich sein Sternenreich immer weiter aus.

Im EarlyGame wird man geradezu mit Ereignissen überschüttet, es gibt viel zu tun, langeweile kommt in keiner Sekunde auf. Sei es den Ausbau der eigenen Welten leiten, das Aufstellen von Raumstationen, Erkunden des Weltraums via Forschungsschiff – wobei man immer wieder Anomalien findet die teilweise sogar längere Dialoge und Entscheidungsketten starten. Man trifft auf mal mehr mal weniger freundliche Aliens, muss sich gegen auftauchende Weltraumpiraten wehren und ganz nebenbei immer nach potentiellen neuen Kolonien Ausschau halten, wohl wissend der Gegner schläft nicht. Nein man hat gerade die ersten Spieljahre wirklich enorm viel zu tun und wird an allen Ecken und Enden gebraucht.

Sollte es dann doch einmal zu viel sein was gleichzeitig passiert und man seine Aufmerksamkeit auf zu viel gleichzeitig richten muss, lässt sich das Spiel mit drücken der Leertaste ganz einfach anhalten und man kann bequem seine Befehle und Anweisungen geben. Mit erneutem drücken der Leertaste geht es dann weiter und die gegeben Anweisungen werden umgesetzt.

Das MidGame befasst sich dann stärker mit Innen,- sowie Außenpolitik und der Optimierung der eigenen Welten. Man hat bereits einen beachtlichen Teil der Galaxie erkundet und der leere Raum zwischen den eigenen Grenzen und denen der Nachbarn werden enger, ja teilweise hat man bereits eine gemeinsame Grenze. Was da dann nicht aus bleibt ist Streit und im schlimmsten Fall (oder auch gewollt natürlich) Krieg.

Nun ist dann aber auch der Spieler gefragt sich zu beschäftigen, denn es tauchen immer weniger Anomalien auf, auch sind bereits die umliegenden Systeme von Piraten und anderen Störenfrieden befreit und man hat bereits eine gewisse Infrastruktur geschaffen die ein stetiges monatliches Energie,- und Mineralieneinkommen sicherstellt. Nun geht es wie gesagt wirklich darum unter den Nachbarn Freund von Feind zu trennen, politisch aktiv zu werden und das eigene Sternenreich zu optimieren. Gerade im MidGame ist man stark damit beschäftigt sich mit Sektoren auseinander zu setzen, da die Kolonieanzahl gestiegen und nun zur besseren Verwaltung aufgeteilt werden müssen.

EndGame wird dann wieder automatisch aufregender, denn hier erwartet den Spieler eine von mehreren (man will jetzt nicht Spoilern) großen Katastrophen, welche die ganze Galaxie ins Chaos stürzen können und aus alten Feinden plötzlich Freunde werden lässt, da man einer gemeinsamen großen Bedrohung gehenübersteht oder es passiert etwas ganz anderes, fakt ist etwas passiert!

Meist hat man hier auch schon ein großes Sternenreich aufgebaut, befehligt gigantische Flotten aus vielen verschiedenen großen und kleinen Schiffen, hat rießige Schlachten geschlagen, andere Reiche unterworfen und zu Vasallen gemacht (oder wurde selbst zu einem). Man denkt man kennt seine Galaxie nun schon etwas und weiß bescheid, man hat alles im Griff: nunja bis eben zu diesem einen Moment an dem sich alles ändern kann im EndGame von Stellaris.

Speziesbaukasten

Speziesbaukasten von Stellaris
Speziesbaukasten von Stellaris

Die Möglichkeiten über den Speziesbaukasten seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und sich seine eigene Spezies zusammen zu stöpseln, kann sich durchaus sehen lassen. Unterteilt wird das Ganze in vier Kategorien: Spezies, Heimatwelt, Reich und Schiffe.

So wählt man unter Spezies neben verschiedenen Phänotypen wie Säugetier, Reptil, Vogel oder sogar Pilze auch seinen Herrscher aus, gibt Ihm einen Namen und Titel und stellt anschließend für seine Spezies bestimmte Eigenschaften ein.

Unter Heimatwelt stellt man den Namen und die Art des Planeten ein von dem man startet und welches Klima unsere Spezies als angenehm empfindet. Zur Auswahl stehen derzeit kontinentale Welt, Ozeanwelt, arktische Welt, Tundrawelt, aride Welt, Wüstenwelt und tropische Welt. Auch wählt man hier die Optik der Gebäudearchitektur.

In der Kategorie Reich stellt man Dinge ein wie Regierungsform und Ethik, gibt seinem Reich einen Namen und bastelt eine Flagge zusammen.

Unter Schiffe darf man zwischen verschiedenen Schiffsoptiken auswählen. Es gibt zu jedem Phänotyp auch einen Schiffstyp, wobei man aber nicht daran gebunden ist den gleichen zu nehmen den man unter Spezies eingestellt hat. Startbewaffnung auswählen: entweder Raketen, Laser oder Kinetik und anschließend zwischen den drei ÜL-Methoden wählen, also wie sich die eigenen Schiffe fortbewegen.

Dies war nun wirklich sehr kurz gefasst wie man mit dem Speziesbaukasten zur selbsterstellten Spezies kommt. In der Praxis allerdings kann man, gerade wenn man schon das eine oder andere Spiel gespielt hat und einen Spielstil anstrebt sehr viel Zeit damit verbringen. Gerade die Eigenschaften oder Ethiken haben direkten Einfluss auf so einige Spielelemente und geben nicht selten dem Reich eine Richtung vor.

Ich vermute, hier wird es in Zukunft noch einige Erweiterungen geben, es schreit geradezu nach einer Flut von DLCs. Auch ist dieser Bereich sehr offen für die Moddergemeinde und ich denke hier wird es eine Menge Mods zum herunterladen geben die den Baukasten noch erweitern.

Weltraumschlachten

Weltraumschlacht in Stellaris
Weltraumschlacht in Stellaris

Wenn man dann im MidGame angekommen die erste wirklich große Weltraumschlacht schlägt, bei der gerne auch mal mehrere Flotten unterschiedlichster Spezies in einer Region zusammentreffen und alles aufeinander abfeuern was Ihre Schiffe so her geben, ja da erwischt man sich dabei das Spiel zu pausieren, das Interface auszublenden (strg+F9) um den einen oder anderen Screenshot schießen zu wollen. Es sieht einfach sehr schön aus, wenn die eigenen im Schiffsdesigner zusammengeschusterten „Badewannen“, mit all den technischen Raffinessen die man sich so überlegt hat zeigen was sie können. Einfach schön anzusehen!

Leider kann man aber auch nicht sehr viel mehr als zusehen. Hat die Schlacht erst begonnen, sind dem Spieler die Hände gebunden. Wirklich taktische Manöver sind kaum möglich, Flottenformationen oder Kampfverhalten sind zum aktuellen Stand des Spiels leider nicht einstellbar. Lediglich den Rückzug durch Notwarp aus dem System darf man nach abgelaufenen Cowndown befehlen.

Die Kampfberechnung orientiert sich dabei an einer Art Stein-Schere-Papier-Prinzip, wobei einige Waffenarten besonders gut gegen bestimmte Verteidigungen sind und anders rum. So sind Raketen durch eine Ausrüstung mit genügend Punktverteidigungssystemen praktisch keine Gefahr mehr. Fehlen diese allerdings, sind Raketen gerade durch die hohe Reichweite und Treffergenauigkeit, ganz zu schweigen vom Schaden, eine wirklich ernst zu nehmende Gefahr. So entscheidet das vorherige Auskundschaften des Gegners und die Anpassung der eigenen Schiffsausrüstung oft darüber, ob man als Verlierer oder Gewinner aus einer Schlacht geht.

Schiffsdesigner

Schiffsdesigner & Module
Bild 1: Schiffsdesigner & Module

Was wäre ein modernes Weltraumstrategiespiel ohne einen anständigen Schiffsdesigner? Jedenfalls nicht Stellaris, denn einen solchen hat dieses Spiel. Hier hat man nicht nur die Möglichkeit seine Schiffe mit Modulen auszurüsten, zu optimieren (Bild 1) und immer wieder neu umzubauen, nein man kann auch die Schiffe selbst umbauen, verschiedene Rümpfe auswählen mit unterschiedlicher Modulplatzanzahl (Bild 2). Dies kann je nachdem wieviel Aufwand man betreiben will und wie spezialisiert man seine Flotten aufbauen will, mal wenige Sekunden dauern indem man unten auf „automatisch fertigstellen“ drückt, es kann aber auch sehr lange dauern wenn man das wirkliche Maximum an Effiziens aus einem für eine bestimmte Aufgabe spezialisierten Schiff holen möchte.

Schiffsrümpfe & Modulplätze
Bild 2: Schiffsrümpfe & Modulplätze

Ich für meinen Teil hab letzteres getan und lange Zeit wirklich nur damit verbracht von ein und dem selben Schifftyp zum Beispiel einem Kreuzer mehrere spezialisierte Klassen zusammenzustellen, mal mit Raketen, mal mit Lasern oder beidem, eine gute Vertidigung aus Schild und Panzerung ausgewogen, passenden Antrieb rein, Schiffscomputer optimal eingestellt und das ganze mit ausreichend Energie versorgt. Jetzt das Schiff noch in die Produktion geschickt um es in einer Schlacht zu testen, festgestellt das man hier noch was verbessern kann und wieder den Schiffsdesigner geöffnet… also ich hatte meinen Spaß. Wie aber schon gesagt, es geht auch einfacher und nunja schlecht ist die automatische Ausrüstung der Schiffe auch nicht, packt das beste verfügbare Equipment rein, aber eben nicht spezialisiert.

Module

Was die Anzahl an möglichen Modulen angeht, da geht sicherlich noch viel mehr. Derzeit gibt es zwar eine ordentliche Auswahl an Waffensystemen und Verteidigungen, allerdings findet man schnell raus was am besten ist und dadurch sind viele andere Module ausrangiert. Ich denke es bieten sich für die Zukunft noch viele Möglichkeiten Schiffsmodule ins Spiel zu bringen, die auf Funktionen des Schiffs oder Aspekte des Flottenkampfes direkten Einfluss nehmen. Gerade mit den unter „Weltraumschlachten“ beschriebenen Fehlen von Eingriffsmöglichkeiten in die Schlacht selbst, kann man hier doch noch sehr viel machen. Module die bestimmte Manöver Ermöglichen zum Beispiel, Sensorstörer oder Tarnmodule. So könnte man jedenfalls noch wesentlich mehr Abwechslung in das Zusammenstellen von Flotten bringen

Fazit:

Nachdem ich nun viele Stunden mit Stellaris verbracht habe, öfter mit neuen Spezies gestartet bin und verschiedene Spielstile ausgetestet habe, werde ich immernoch überrascht mit neuen ja teilweise sogar lustigen Möglichkeiten im Spiel. Nicht nur entdecke ich immernoch neue Anomalien denen ich nachgehen kann oder finde mich in Situationen wieder die zu meistern ganz neue Wege zu finden bedeutet. Wiederspielwert ist aufjedenfall gegeben und hoch.

Es geht klar eigentlich immer irgendwo darum seine Spezies im Weltraum groß zu machen, doch leider fehlen hier aber zu diesem Zeitpunkt noch alternative Wege (Siege). Momentan gibt es nur die Möglichkeit militärisch gegen seine Nachbarn vorzugehen und dadurch einen der zwei Siegbedingungen zu erfüllen.

Auch an anderen Stellen sehe ich noch viel Potential, beispielsweise das Kampfsystem um taktische Möglichkeiten erweitern, ein komplexeres Handelssystem, Spionage, Sabotage und Infiltration anderer Reiche. Natürlich kann man sich hier immer mit Mods aushelfen und ich habe beim Suchen bereits welche gesehen die hier nachrüsten. Doch gerade wenn man im Multiplayer spielen möchte steht man vor Problemen. Entweder Mods ganz ausschalten oder jeder Spieler hat alle Mods aktuell im Spiel integriert, was bei vielen Spielern in einer Partie doch mit einigem Aufwand verbunden ist.

Jetzt aber Butter bei die Fische: Stellaris – 4x Globalstrategie im Weltraumsetting, gewürzt mit einem guten Schuss Rollenspiel, dem erstellen eigener Spezies und eine rießige unbekannte Galaxie die nur darauf wartet vom eigenen Sternenreich erkundet und erobert zu werden, natürlich zufallsgeneriert und immer neu sozusagen. Dazu die Möglichkeit das Spiel mit anderen im Multiplayer zu spielen und dazu auch noch das Spiel durch Mods zu erweitern, erstellt von einer großen Moddergemeinde die sich stets um Paradoxspiele bildet. Das alles sind die Zutaten für ein Spielerlebnis, welches einen über viele Stunden an den Monitor binden kann und in das man eintauchen kann und Spaß hat.

Auch wenn ich genug Punkte gefunden habe an denen mir doch noch etwas fehlt, für mich hat Stellaris einfach noch ungenutztes Potential. Doch gerade da es jetzt schon äußerst komplex ist, kann ich darüber auch hinwegsehen und das Spiel genießen. Bin gespannt was Paradox noch daraus macht, es kann wirklich etwas ganz großes aus diesem Spiel werden. Vielen Dank.

LetsPlay

Ein nach Erscheinen des Patch „Heinlein“ für Stellaris gestartetes Lets Play. Wir versuchen unser Sternenreich [CIRCULARE] in der Rolle des amtierenden Herrschers Neflatur zu wahrer Größe auszubauen. Von unserer Heimatwelt Bar’Q machen sich die ersten Kolonieschiffe auf zu neuen Welten und die Berichte die von ihnen auf Bar’Q eintreffen, sorgen für Aufregung und Erstaunen über die Wunder der vor uns liegenden Weiten. Wie wird es unserer Spezies in den nächsten Zeitaltern ergehen?

Schaut gerne mal rein und bei Gefallen lasst gerne einen Kommentar da.

Viel Spaß euer Neflatur.

geschrieben von neflatur am 13. August 2016

Details

Spiel Stellaris – www.stellarisgame.com
Studio Paradox Development Studios – www.paradoxplaza.com
Publisher Paradox Interactive
Release 9. Mai 2016
Plattformen Windows / OS X / Linux
Genre Globalstrategiespiel
USK ab 6
PEGI 7

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